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Ivermectin
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Ivermectin ist ein Arzneistoff, der gegen Ektoparasiten (LĂ€use, Milben, Zecken) und Endoparasiten, vor allem FadenwĂŒrmer (Nematoden), eingesetzt wird. Chemisch gesehen handelt es sich um ein Gemisch zweier sehr Ă€hnlicher halbsynthetischer chemischer Verbindungen aus der Gruppe der Avermectine. Avermectine sind makrocyclische Lactone (Makrolide) und entstehen als Endprodukte der Fermentation des âStrahlenpilzesâ Streptomyces avermitilis. Das Gemisch mit dem Wirkungsspektrum von Avermectin B1 und B2 besteht zu 80 bis 90 % aus Avermectin H2B1a und zu 10â20 % aus Avermectin H2B1b.cite-ref-3[3]
Ivermectin wird vorwiegend in der Tiermedizin zur Behandlung und Vorbeugung gegen durch Ektoparasiten oder FadenwĂŒrmer verursachte Infektionskrankheiten (Parasitose, Helminthiasis) eingesetzt. Vor allem in Afrika, aber auch in anderen EntwicklungslĂ€ndern, wird Ivermectin in der Humanmedizin gegen Flussblindheit und Elephantiasis eingesetzt.
2015 wurde der Nobelpreis fĂŒr Physiologie oder Medizin an den Japaner Satoshi Ćmura und den US-Amerikaner William C. Campbell fĂŒr die Entwicklung von Ivermectin verliehen.cite-ref-4[4]
Contents
âą Entdeckung
⹠UmweltschÀden
âą Eigenschaften
âą Handelsnamen
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Entdeckung
Die Entdeckung der Avermectine geht auf eine 1974 in Japan genommenen Bodenprobe zurĂŒck, die den Mikroorganismus Streptomyces avermitilis enthielt. Ćmura schickte mehrere tausend FermentationsbrĂŒhen an MSD, wo Campbell die starke anthelminthische AktivitĂ€t von Avermectin B1 und seines Derivats Ivermectin feststellte.cite-ref-5[5]
1981 begannen die klinischen Studien.cite-ref-6[6] 1987 wurde Ivermectin unter dem Handelsnamen Mectizan zugelassen. Der damalige Vorstandsvorsitzende von MSD, P. Roy Vagelos, entschied sich dazu, Mectizan aufgrund seiner Wirksamkeit gegen die Flussblindheit fĂŒr die Dritte Welt kostenlos bereitzustellen.cite-ref-7[7]
Wirkungsmechanismus
Ivermectin ist gut fettlöslich und wird bei oraler, parenteraler und Verabreichung ĂŒber die Haut schnell resorbiert und im Körper verteilt. Es reichert sich in der Leber und im Fettgewebe an und wird von dort langsam freigesetzt. Die Ausscheidung erfolgt ĂŒber die GallenflĂŒssigkeit und dann ĂŒber den Kot. Geringe Mengen werden auch ĂŒber den Harn und die Milch ausgeschieden.
Ivermectin bindet sich an die nur bei Wirbellosen vorkommenden Glutamat-aktivierten ChloridkanĂ€le sowie an Îł-AminobuttersĂ€ure-aktivierte ChloridkanĂ€le. Der dadurch ausgelöste Einstrom von Chlorid-Ionen in die Zelle fĂŒhrt zu einer Hyperpolarisation der Zellmembran, was die ErregungsĂŒberleitung blockiert. Dies fĂŒhrt zu einer LĂ€hmung (Paralyse) und schlieĂlich zum Tod der Parasiten. Zudem werden die Eibildung der WĂŒrmer und die Larvenentwicklung gestört.
Bei Zecken wird die Eiproduktion und die HÀutung gehemmt und damit der Reproduktionszyklus gestört, die Zecke selbst fÀllt aber nicht vom Wirt ab.
Auf Wirbeltiere wirkt Ivermectin allgemein weniger toxisch, da das Hauptwirkziel â glutamat-aktivierte ChloridkanĂ€le â bei ihnen nicht vorhanden ist. Jedoch aktiviert Ivermectin in höheren Konzentrationen unter anderem auch inhibitorische GABAA- und Glycinrezeptoren, wie sie im Zentralnervensystem von Wirbeltieren (inklusive des Menschen) vorkommen.cite-ref-8[8] Dies kann zu einer starken Zentralnervensystem-DĂ€mpfung und im Extremfall zum Tod fĂŒhren. Die Giftigkeit hĂ€ngt auch davon ab, wie gut Ivermectin die Blut-Hirn-Schranke der jeweiligen Spezies ĂŒberwinden kann. Bei SĂ€ugetieren ist die DurchlĂ€ssigkeit meist gering.cite-ref-9[9]
Wirkungsspektrum und Anwendung
Ivermectin wirkt gegen alle klinisch bedeutsamen FadenwĂŒrmer (Nematoden). AuĂerdem ist das Mittel wirksam gegen LĂ€use, Milben (Psoroptes spp., Sarcoptes ssp., Otodectes cynotis, Demodex ssp., Knemidocoptes ssp., Rote Vogelmilbe, Nordische Vogelmilbe, Luftsackmilben etc.), Kaninchenflöhe, Dasselfliegen (Dermatobia, Hypoderma), Schaflausfliegen (Melophagus) und Mikrofilarien.
BandwĂŒrmer (Cestoden) sind gegen Ivermectin resistent, aber empfindlich gegenĂŒber dem Wirkstoff Praziquantel, der in manchen veterinĂ€rmedizinischen KombinationsprĂ€paraten (Entwurmungspasten und -tabletten) enthalten ist. Auch bei einigen RundwĂŒrmern vermutet man erste Resistenzen.
Eine Zulassung fĂŒr Humandiagnosen existiert in Deutschland nur fĂŒr die Behandlung der Rosaceacite-ref-10[10] und der KrĂ€tze,cite-ref-11[11] sonstige Behandlungen erfolgen als Off-Label Use. Die aus der Therapie der Onchozerkose (Flussblindheit) bekannten Nebenwirkungen beruhen auf dem massenhaften Absterben der Mikrofilarien und sind bei Milbenbefall nicht zu erwarten. Die orale Therapie ist besonders auch bei Wimpernbefall (z. B. durch FilzlĂ€use) zu empfehlen, da die z. Z. topisch angewendeten Mittel die Hornhaut schĂ€digen können. In der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern unter 5 Jahren ist das Mittel kontraindiziert.
In den USA wurde 2012 eine 0,5%ige Ivermectin-Lotion zur einmaligen Anwendung im Kopfhaar zugelassen, die eine effektive Therapie bei KopflÀusen darstellt. Die Anwendung ist risikoarm, bereits ab dem sechsten Lebensmonat getestet und auch bei LÀusen mit Resistenz gegen andere Mittel geeignet.cite-ref-12[12]
Ăber die ektoparasitĂ€re Wirkung auf den KrankheitsĂŒbertrĂ€ger scheint Ivermectin die Ăbertragung der Malaria reduzieren zu können, eine direkte Wirkung auf den Erreger der Malaria (Plasmodium falciparum) konnte mit Hilfe einer experimentellen Infektion an freiwilligen Probanden jedoch nicht nachgewiesen werden.cite-ref-13[13]
Die WHO fĂŒhrt Ivermectin in ihrer Liste der âunentbehrlichen Arzneimittelâ.
Bei Tieren (Haus- und Heimtiere, Vögel, Reptilien) wird das Mittel oral, subkutan, intramuskulĂ€r oder ĂŒber die Haut verabreicht. Eine Wiederholung nach einer Woche wird bei vielen Parasiten empfohlen.
Nebenwirkungen und Kontraindikationen
Bei der Anwendung in der Humanmedizin sind Nebenwirkungen meist mild und vorĂŒbergehend. Bei der Behandlung der Flussblindheit mit Ivermectin sind die wichtigsten beschriebenen Nebenwirkungen Gesichtsödeme, Fieber, Juckreiz und allgemeines KrankheitsgefĂŒhl, was jedoch auf das massenhafte Absterben der Mikrofilarien in den Lymphwegen zurĂŒckzufĂŒhren ist, weshalb diese Nebenwirkungen bei der Behandlung anderer Krankheiten nicht zu erwarten sind.cite-ref-14[14]
Bei Collies, Collie-Mischlingen, Shelties, Bobtails und verwandten Hunderassen sollte Ivermectin nicht oral eingesetzt werden, da bei ihnen aufgrund eines hÀufigen Gendefekts (MDR1-Defekt) TodesfÀlle auftreten können. Auch junge Ratten, Igel, Schildkröten, ChamÀleons und kleine Echsen sind sehr empfindlich. Bei Krokodilen ist die Anwendung kontraindiziert. Bei Finken traten hÀufiger TodesfÀlle auf. Bei sehr jungen Tieren sollte Ivermectin ebenfalls nicht eingesetzt werden.
Bei der Verabreichung können lokale Reaktionen auftreten (Schwellung der Injektionsstelle oder Hautirritationen bei lokaler Verabreichung).
Ăberempfindlichkeitsreaktionen (Anaphylaxie) wurden bislang nur bei Pferden und Hunden beobachtet. Bei Pferden können Ădeme auftreten. Bei Hunden kann durch das massive Absterben von Mikrofilarien sechs Stunden nach Behandlung ein Schock auftreten.
UmweltschÀden
Da die Anwendung von Ivermectin die kot-fressenden Tiere der behandelten Nutztiere schĂ€digt, wird die Nahrungsgrundlage einiger Tierarten vermindert. Dazu zĂ€hlt zum Beispiel die AlpenkrĂ€he, die sich vielerorts ĂŒberwiegend von Larven aus Schafskot ernĂ€hrt.cite-ref-glutz1993-1932-15-0[15] Die Nahrungsgrundlage dieser Vögel sind zahlreiche KĂ€fer- und Fliegenarten, die sich auf den Abbau von Tierkot, oft nur von bestimmten Arten, spezialisiert haben. Damit ist deren Existenz indirekt bedroht. Weiterhin wird der Kot nicht mehr so schnell abgebaut, was vor allem bei Pferde- und Rinderweiden zu ProduktionsausfĂ€llen fĂŒhrt, da das Gras unter dem lĂ€nger liegenden Kot nicht nachwachsen kann.
Eigenschaften
Die weiĂe bis weiĂlich-gelbe, kristalline Substanz ist im kristallinen Zustand stabil, reagiert jedoch in polaren Lösungsmitteln lichtempfindlich. Ivermectin ist praktisch unlöslich in Wasser, löst sich aber gut in Methanol, Ethanol,cite-ref-merckus-1-4[1] Chloroform, Aceton und Tetrahydrofuran.cite-ref-16[16]
Die beiden Komponenten des Ivermectins B1a (=Avermectin H2B1a) und B1b (=Avermectin H2B1b) unterscheiden sich strukturell nur durch eine Methylgruppe voneinander. Sie entstehen durch selektive Hydrierung der cis-konfigurierten 22,23-Bindung aus Avermectin B1a und Avermectin B1b, die im Gemisch gemeinsam als Abamectin bezeichnet werden.
Die Buchstaben und Ziffern in den Namen der Komponenten charakterisieren bestimmte Avermectinstrukturen wie Doppel- bzw. Einfachbindung zwischen dem C-22 und C-23 mit/ohne Substituent am C-23 (1 bzw. 2), ferner Substituenten am C-5 (A bzw. B) und am C-25 (a bzw. b). Das MolekĂŒl hat 19 chirale Zentren.
Handelsnamen
âą Tiermedizin: Agrimec, Animec, Bimectin, Closamectin, Ecomectin, Eraquell, Equimax, Eqvalan, Furexel, Ivomec, Noromectin, Otimectin, Paramectin, Qualimec, Vectin, Virbamec
Anwendung bei COVID-19-Erkrankung
Wissenschaftliche Beleglage
Es wurde weltweit intensiv an der therapeutischen und prophylaktischen Wirksamkeit von Ivermectin bei COVID-19 geforscht. Anlass waren Versuche in Zellkulturen (in vitro) an der Monash University in Melbourne von 2020, die eine Eliminierung des Virus gezeigt haben.cite-ref-19[19]cite-ref-monash-20-0[20] Jedoch waren die verwendeten Konzentrationen dermaĂen hoch, dass selbst eine 8,5-fache von der FDA zugelassene Dosis (1700 ”g/kg) im Blutspiegel weit unterhalb der in Zellkulturen getesteten liegen wĂŒrde.cite-ref-21[21] WĂŒrde man die im Zellversuch verwendete Konzentration im Menschen erreichen wollen, mĂŒsste man eine Dosis verwenden, die etwa 100-fach so hoch ist wie die empfohlene.cite-ref-22[22] Damit wĂŒrde eine gemÀà In-vitro-Studien vergleichbare, antivirale Dosis aber toxisch wirken.cite-ref-23[23]cite-ref-24[24] Infolgedessen ist eine klinische Wirksamkeit von Ivermectin bei COVID-19-Erkrankung unplausibel,cite-ref-0-25-0[25] die Ergebnisse der Laborstudie lassen sich nicht ohne Weiteres auf den menschlichen Körper ĂŒbertragen.cite-ref-1-26-0[26]cite-ref-27[27]
Die bisher veröffentlichten Daten aus Humanstudien weisen teils (erhebliche) methodische SchwĂ€chen auf.cite-ref-2-28-0[28]cite-ref-0-25-1[25]cite-ref-29[29]cite-ref-30[30]cite-ref-4-31-0[31]cite-ref-32[32] Mehrere Studien sind gefĂ€lscht.cite-ref-33[33] Eine sehr groĂe und hĂ€ufig zitierte Studiecite-ref-34[34], die sehr positive Effekte bei Ivermectin beschrieb und dadurch in Meta-Analysen berĂŒcksichtigt wurde, ist wegen Verdachts auf Betrug (u. a. Manipulation von Patientendaten, PlagiatsvorwĂŒrfe) wieder zurĂŒckgezogen worden.cite-ref-35[35]cite-ref-36[36] Andere fĂŒr Ivermectin sprechende Studien sind diesem Betrugsverdacht ebenfalls ausgesetzt,cite-ref-2-28-1[28] in der Vergangenheit wurden andere Studien ebenfalls zurĂŒckgezogen.cite-ref-37[37]
Eine Metaanalyse von Cochrane fand sowohl 2021cite-ref-38[38] als auch 2022cite-ref-39[39] keine Evidenz fĂŒr die Verwendung von Ivermectin zur Therapie oder Vorbeugung bei COVID-19. Scheinbare Vorteile bei Studien mit Patienten, die hĂ€ufig von Parasiten wie dem Zwergfadenwurm Strongyloides stercoralis befallen sind, hat ein Meta-Review von 2022 untersucht.cite-ref-5-40-0[40] Hierbei stellte sich heraus, dass infizierte Patienten in den Kontrollgruppen nicht mittels Ivermectin behandelt werden, und teils sogar durch die Gabe von Kortikosteroiden deren Risiko eines Hyperinfektionssyndroms zusĂ€tzlich erhöht wird. Infolgedessen werden die Kontrollgruppen systematisch einem erhöhten Sterberisiko ausgesetzt. Im Vergleich senkt dadurch Ivermectin das Sterberisiko bei COVID-19 Patienten.cite-ref-5-40-1[40] In Regionen, in denen eine Strongyloidiasis (die vom Fadenwurm ausgelöste Erkrankung) nicht endemisch ist, zeigte sich dagegen kein Nutzen Ivermectins.cite-ref-41[41] Damit kommt es zu erheblichen VerfĂ€lschungen.
EinschÀtzung von WHO und EMA
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellte am 31. MĂ€rz 2021 fest, dass die aktuellen Erkenntnisse zur Verwendung von Ivermectin zur Behandlung von COVID-19-Patienten nicht schlĂŒssig sind. Bis weitere Daten verfĂŒgbar sind, empfiehlt die WHO, das Medikament nur in klinischen Studien zu verwenden.cite-ref-42[42]
Nach Medienberichten und Veröffentlichungen ĂŒber die Verwendung von Ivermectin zur Behandlung von COVID-19 ĂŒberprĂŒfte die EuropĂ€ische Arzneimittelagentur (EMA) die veröffentlichten Erkenntnisse aus Laborstudien, Beobachtungsstudien, klinischen Studien und Metaanalysen und gab am 22. MĂ€rz 2021 ihre EinschĂ€tzung bekannt. Auch wenn in vitro-Studien gezeigt hatten, dass Ivermectin die Replikation von SARS-CoV-2 zu blockieren vermochte und einige Studien Hinweise auf eine Wirksamkeit ergaben, sei in der Gesamtschau die Datenlage bislang nicht ausreichend, um die Anwendung von Ivermectin gegen COVID-19 auĂerhalb klinischer Studien zu stĂŒtzen.cite-ref-43[43]
Lage in einzelnen Staaten
Japan
USA
Am 14. Januar 2021 hat das US-amerikanische National Institutes of Health (NIH) Ivermectin in ihre Richtlinie als Therapieoption aufgenommen und Ende April 2022 aktualisiert. Das NIH empfiehlt, Ivermectin nur im Rahmen klinischer Studien bei COVID-19-Infektionen einzusetzen.cite-ref-45[45] Eine Zulassung seitens der FDA von Ivermectin gegen COVID-19 liegt nicht vor.cite-ref-46[46] Die FDA warnt vor einem Einsatz hoher Dosen, Ivermectin sollte nicht zur Behandlung oder Vorbeugung gegen COVID-19 eingenommen werden.cite-ref-47[47]
In den USA kam es im August 2021 zu einer sprunghaften Nachfrage nach Ivermectin fĂŒr Pferde, das rezeptfrei zu bekommen ist, so dass manche HĂ€ndler von den Kunden Belege verlangten, dass sie ein Pferd besĂ€Ăen.cite-ref-48[48] Aufgrund des viel höheren Gewichts von Pferden kommt es bei Einnahme einer Tablette fĂŒr Pferde beim Menschen zu einer enormen Ăberdosierung, so dass die FDA auf Twitter vor der Einnahme dieser Tabletten warnte: âYou arenât a horse, you arenât a cow. Seriously, all of you, stop it.â (âDu bist kein Pferd, du bist keine Kuh. Ernsthaft: ihr alle, hört auf damit.â).cite-ref-49[49] Nachdem drei Ărzte Klage dagegen erhoben hatten, einigte sich die FDA im Rahmen eines Vergleichs mit den KlĂ€gern darauf, die entsprechenden Posts zu entfernen.cite-ref-50[50]
Deutschland
Beide Arbeitsgruppen des Robert Koch-Instituts (RKI), die STAKOBcite-ref-51[51] und die COVRIINcite-ref-52[52], empfehlen Ivermectin nur im Rahmen klinischer Studien bei COVID-19-Infektionen einzusetzen und schlieĂen sich damit der Auffassung der WHO an (s. o.).
Ăsterreich
Das Bundesamt fĂŒr Sicherheit im Gesundheitswesen empfiehlt die Verwendung von Ivermectin ebenfalls wie Deutschland nur im Rahmen klinischer Studien bei COVID-19-Infektionen.cite-ref-53[53] Sie fĂŒhrt an, dass fĂŒr eine ausreichende antivirale Konzentration gegen SARS-COV-2 wesentlich höhere Dosierungen als die ursprĂŒnglich zugelassene notwendig wĂ€ren; dies wĂŒrde jedoch zu ToxizitĂ€ten fĂŒhren.
Andere LĂ€nder
Am 8. Mai 2020 erteilte das peruanische Gesundheitsministerium Ivermectin eine Zulassung fĂŒr die Behandlung von leichten und mittelschweren COVID-19-FĂ€llen.cite-ref-3-54-0[54] Die Zulassung wurde basierend auf den Ergebnissen der erwĂ€hnten australischen in vitro-Studie erteilt. Diese Zulassung, weitere positive Berichte in der Presse sowie zahlreiche Falschinformationen fĂŒhrten zu einem regelrechten Ansturm auf das Medikament und dazu, dass sogar tierĂ€rztliche BestĂ€nde aufgekauft und auf dem Schwarzmarkt gehandelt wurden.cite-ref-55[55]cite-ref-4-31-1[31] Weitere lateinamerikanische LĂ€nder (u. a. Bolivien) popularisierten ebenfalls die Anwendung, obwohl der damalige bolivianische Gesundheitsminister Marcelo Navajas bestĂ€tigte, dass es fĂŒr eine Anwendung keine Evidenz gibt.cite-ref-3-54-1[54] Von der Wissenschaftlergemeinde wurde diese unkontrollierte Anwendung Ivermectins kritisiert, da sie die DurchfĂŒhrung von kontrollierten klinischen Studien zur Wirksamkeit erschwere.cite-ref-3-54-2[54] Peru hatte Oktober 2020 die Empfehlung eingeschrĂ€nkt und 2021 schlieĂlich ganz widerrufen.cite-ref-56[56] In den lateinamerikanischen LĂ€ndern, insbesondere Brasilien, kam es Anfang 2021 zu extrem hohen Infektions- und Todeszahlen durch die P1-Variante, trotz vorangegangenen Einsatzes Ivermectins als vermeintliches PrĂ€ventionsmittel.cite-ref-4-31-2[31]
Als erstes EU-Land genehmigte die Slowakei am 26. Januar 2021, nach Anfrage des Infektiologen Ivan Schreter an das Gesundheitsministerium, fĂŒr sechs Monate die Therapie und Prophylaxe mit Ivermectin bei COVID-19.cite-ref-57[57] Da es in der Slowakei aktuell kein zugelassenes Humanarzneimittel gibt, wird das Produkt zum Beispiel aus dem Nachbarland Ăsterreich importiert.cite-ref-58[58] Seit MĂ€rz 2021 besteht ebenfalls eine Sondergenehmigung fĂŒr den Gebrauch ohne Zulassung in der Tschechischen Republik.cite-ref-59[59]
Auch in afrikanischen LĂ€ndern, wie zum Beispiel Zimbabwe und SĂŒdafrika, ist der regulierte Import von Humanarzneimitteln mit Ivermectin seit Ende Januar erlaubt. Die sĂŒdafrikanische Zulassungsbehörde SAHPRA empfahl zwischenzeitlich nur einen patientenindividuellen und reflektierten Einsatz im Rahmen eines Compassionate-Use-Verfahrens bei COVID-19cite-ref-60[60], dieser wurde Ende Mai 2022 beendet.cite-ref-61[61] Dies geschah, da ein medizinischer Nutzen von Ivermectin zur Behandlung von Covid-19 nicht belegt ist, zudem wurden mehrere fĂŒr Ivermectin sprechende Studien wieder zurĂŒckgezogen.
Vergiftungen durch Ăberdosierung bei COVID-19 und weiteren Erkrankungen
In verschiedenen Staaten erlitten Menschen nach Ivermectin-Einnahme Vergiftungserscheinungen, unter anderem in den USA und Australien, wo mehrere hunderte Menschen nach der Einnahme notfallmedizinisch behandelt werden mussten. Es wird davon ausgegangen, dass vor allem Ungeimpfte Ivermectin ohne Ă€rztliche Begleitung per Selbstbehandlung einnehmen, wobei es auch zu Ăberdosierungen kommt.cite-ref-64[64] Das Centers for Disease Control and Prevention warnte explizit vor den Folgen dieses Medikamentenmissbrauchs.cite-ref-65[65]
In Ăsterreich rief die FPĂ, die die von der Regierung erlassenen Corona-SchutzmaĂnahmen ablehnt und auch aktiv Zweifel an der Corona-Impfung verbreitet, zur Einnahme von Ivermectin auf. Daraufhin stieg der Absatz des Mittels so stark an, dass es in vielen Apotheken ausverkauft war. Auch in Ăsterreich gab es Vergiftungen, nachdem Menschen die fĂŒr Pferde vorgesehene Dosis eingenommen hatten.cite-ref-66[66] Zudem verstarben mit COVID-19 Infizierte nach Selbstbehandlung mit Ivermectin an COVID-19.cite-ref-67[67]cite-ref-68[68]
Ăberdosierungen fĂŒhren zu Schwindel, Verwirrtheit, Magen-Darm-Beschwerden, Sehstörungen, Hautausschlag oder KrampfanfĂ€llen.cite-ref-69[69]
Es sind Verschwörungsmythen ĂŒber angebliche Heilungen bei weiteren Krankheiten im Umlauf, hĂ€ufig durch prominente UnterstĂŒtzter gepusht, die regelmĂ€Ăig als irrefĂŒhrende Falschmeldungen widerlegt werden.cite-ref-70[70] Auch hier ist trotz eines theoretischen Heilungspotenzials eine medizinische Wirkung in nicht-toxischer Konzentration nicht nachweisbar. Ein kanadischer Mediziner, der den Wirkstoff gegen Krebs, Parkinson und Alzheimer empfohlen haben soll, hatte 2019 seine Approbation als Arzt verloren.cite-ref-71[71]
Weblinks
âą Eintrag zu Ivermectin bei Vetpharm
⹠Science Cops: Der Fall Ivermectin: Wundersame Wurmkur statt tödlicher Impfung? In: WDR/Quarks. 27. November 2021, abgerufen am 4. Dezember 2021.
Einzelnachweise
cite-note-merckus-11. Datenblatt zum Arzneistoff Stromectol/Ivermectin bei Merck (USA), (PDF; 66 kB) abgerufen am 17. Februar 2010.
cite-note-sigma-21. Datenblatt Ivermectin bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 9. August 2021 (PDF).
cite-note-33. â Eintrag zu Ivermectin. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 7. Juli 2021.
cite-note-44. â Jan Osterkamp: Ein Medizinnobelpreis fĂŒr Medizin. spektrum.de, 5. Oktober 2015.
cite-note-66. â Ivermectin History. Stanford University, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 11. Februar 2021; abgerufen am 31. August 2021.
cite-note-77. â Mectizan Donation Program. 20. Februar 2017, abgerufen am 31. August 2021.
cite-note-88. â A. Estrada-Mondragon, J. W. Lynch: Functional characterization of ivermectin binding sites in α1ÎČ2Îł2L GABA(A) receptors. In: Frontiers in molecular neuroscience, 2015, 8, S. 55. doi:10.3389/fnmol.2015.00055, PMC 4585179 (freier Volltext)
cite-note-99. â Talcott, Patricia A.: Small animal toxicology. 2nd ed Auflage. Saunders/Elsevier, St. Louis, Mo. 2006, ISBN 978-0-7216-0639-2 (eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
cite-note-1010. â Ivermectin: Ein Insektizid gegen Rosacea. In: Pharmazeutische Zeitung online. 12. Mai 2015, abgerufen am 17. September 2017 (Zulassung fĂŒr Soolantra bei Rosacea ab 1. Mai 2015).
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